LisztTraum


Im Rahmen des Projekts „LiszTraum“ der Professur für Interface-Design an der Bauhaus-Universität Weimar und dem Lehrstuhl für Theorie und Geschichte der Architektur, soll ein Raum medial bespielt werden. Dabei gilt es, den Zusammenhang zu dem Musiker Franz Liszt als Leitmotiv zu wahren, dessen Wirken für das Kunstfest 2004 in Weimar thematisiert wird.

Liszt und das Klavier
Von entscheidender Bedeutung in Liszt Leben war der Piano-Flügel, mit dessen Hilfe Franz Liszt zu Weltruhm gelang und welcher zeitlebens sein künstlerisches Schaffen bestimmte. So schrieb er in einem Reisebrief aus dem Jahre 1837, der in der Pariser Gazette musicale publiziert wurde:
„Denn sehen Sie, mein Klavier ist für mich, was dem Seemann seine Fregatte, dem Araber sein Pferd – mehr noch! Es war ja bis jetzt mein Ich, meine Sprache, mein Leben! Es ist der Bewahrer alles dessen, was mein Innerstes in den heißen Tagen meiner Jugend bewegt hat; ihm hinterlasse ich alle meine Wünsche, meine Träume, meine Freuden und Leiden. Seine Saiten erbebten unter meinen Leidenschaften und seine gefügigen Tasten haben jeder Laune gehorcht! [...]
Das Klavier hat also einerseits die Fähigkeit der Aneignung, die Fähigkeit, das Leben aller in sich aufzunehmen; andererseits hat es sein eigenes Leben, sein eigenes Wachstum, seine individuelle Entwicklung. Es ist, um uns eines Wortes aus dem Altertum zu bedienen, Mikrokosmos und Mikrodeus – kleine Welt und kleiner Gott.“


F. Liszt, Gesammelte Schriften, Bd. II, S.151 – 153.
aus: Wolfgang Dömling, Franz Liszt und seine Zeit, Laaber-Verlag.


Projektbeschreibung


Davon ausgehend thematisiert diese Arbeit den Flügel als technisch-ästhetisches Objekt, indem Photographien von Elementen aus dem Innern eines Klaviers kollagenartig zu einem Film kombiniert werden. Abgesehen von der akustischen Bedeutung dieses Innenraums werden die sonst weitgehend statischen Komponenten mittels aktueller Filmtechnologie in lebendige Bewegung gebracht und so in einen neuen Kontext aus Klassik und Moderne gesetzt. Bei dem verwendeten Bildmaterial von Bau- und Bestandteilen des Flügels (wie z.B. Saiten, Tasten, Kurven, Löcher und Schrauben) handelt es sich größtenteils um Nah- und Detailaufnahmen. Sie wecken in dem Betrachter keine offensichtlichen, sondern vielmehr abstrakte Assoziationen zu dem Instrument „Klavier“.


Projektion


Eine besondere Projektionsfläche könnte die Wirkung des Films weiter verstärken, wenn Film und Fläche aufeinander abgestimmt werden.
Eine Glasscheibe des Typs „T-Opal“ vom Fraunhofer Institut für Bauphysik zeigt sich dafür als ausgesprochen gut geeignet, da sie temperaturabhängige Opazitäts-Zustände aufweist. Ein solches thermotropes Glas kann also an unterschiedlichen Stellen mit Heizdraht bestückt werden, um es so transparent oder opak zu schalten. Neben der besonderen Ästhetik bei der Projektion auf Milchglas könnte durch Aussparung eines Teils der projizierbaren Fläche oder durch Verlaufsumsetzungen innerhalb dieser Fläche eine wirkungsvolle Dreidimensionalität und optische Tiefenwirkung erzielt sowie das Gefühl einer vielschichtigen Bewegung verstärkt werden.