Was kommt heraus, wenn man das Beste vom Fernsehen mit dem Besten vom Internet kreuzt ?
Genau: Eine bunte multimediale Bilderflut, die nun endlich auf das Feedback des Nutzers nicht nur reagiert, sondern regelrecht darauf angewiesen ist ! Und damit meinen wir nicht NUR (recht langweiliges) Streamen von Content in EINE Richtung auf Abruf, sondern eher eine lebendige Interaktion – bis hin zur echten Kommunikation – zwischen Broadcaster und Nutzer. Eben diese vielgepriesene Interaktion ist uns wichtig und wir kombinieren sie deshalb mit dem Mittel des schnellerzählenden Videos –
heraus kommt : Ein interaktiver Film.

Vier Personen sitzen um einen Tisch. Einziger Schauplatz und damit übersichtliche Theaterbühne ist ein ca. 4 x 4 Meter großer Raum, in dessen Mitte der Tisch steht. Die Requisiten, als auch der Tischaufbau (eine Frühstücksszene) sind absichtlich karg bis minimal gehalten, um die Szene leicht begreifbar und zudem kompressions- und streamingfreundlich zu gestalten. Die Personen werden von uns selbst gespielt und stellen somit drei Männer- und einen Frauencharakter dar. Alle Personen werden im einleitenden und frei schwenkbaren Panoramaview, sowie in sämtlichen „Realitäts“-Szenen stark überbelichtet in weißer Kleidung in einem weißen Raum dargestellt und sollen zunächst absichtlich nichts über ihren „wahren“ Charakter und ihre verborgenen Phantasien verraten. Der aufgeräumte und unterkühlt cleane Stil der „Realitäts“-Bilder soll einen Hinweis auf ein mögliches Zukunftszenario der „Next Generation“ geben, eine verklärt-athmosphärische Ausgangsposition schaffen und zudem den Kontrast zwischen Realität und Traumwelten optisch unterstreichen (...sowie abermals erhebliche Datenmengen dank Kompressionsfreundlichkeit schrumpfen lassen). Der einleitende Panoramaview ist beliebig zoom- und drehbar, bis man auf eine der vier Personen clickt : Abhängig davon, auf welche Person geclickt wurde, beginnt eine spezifische kurze Vorstellung der jeweiligen Person im Umgang mit den anderen: Hier offenbart sich ein erstes Mal die jeweilige Verhaltensstruktur. Für jede der Personen wird die Realität sehr ernüchternd bis peinigend dargestellt, so dass in eine personenspezifische Tagtraumsequenz übergeblendet wird – sofern nichts angeclickt wurde. Die Traumsequenzen offenbaren das „wahre ICH“ und Wunschdenken der teilweise schizophrenen Charaktere. Die Bandbreite reicht von sexuellen Wunschträumen bis hin zu rachegetriebenen Mordinszenierungen. Nach einem kurzen Traumausflug „landet“ der Plot wieder in der nun sehr ernüchternd wirkenden Realität, der man nach ca. 15-20 Sekunden abermals und nun deutlich heftiger wieder entflieht. Jede zweite Phantasiephase gipfelt in einem mehr oder weniger aufklärenden Klimax. Von hier aus gelangt der Nutzer zu einer Kino-Plattform, die ihm das wechseln des Genres, ganz nach individuellem Geschmack, ermöglicht.

„Wo bleibt hier nun die Interaktion ?“, mag sich der aufmerksame Leser sicherlich nun fragen.
Bitte schön: ALLE Personen, die im Bild zu sehen sind bilden mit ihrer ganzen Körperfülle Hyperlinks und sind somit clickbar ! Der vorgestellte Ablauf eines Handlungsplots geht davon aus, dass der Nutzer niemanden anclickt und die Story für die jeweilige Person straight durchläuft. Clickt man jedoch während einer „Realitäts“-Szene auf eine andere Person, so springt die Handlung automatisch auf diese Figur und deren assoziierte Geschichte. Clickt man während einer „Phantasie“-Szene auf eine andere Figur, so springt eben diese Person in die Rolle des Protagonisten, doch in der Szenerie DIESES Traumes – quasi eine Metha-Phantasie innerhalb einer Phantasie ! Daraus ergeben sich 29 kurze Filmsequenzen, die einen Pool aus untereinander querverlinkten Filmschnipseln mit mindestens 600 Kombinationsmöglichkeiten bilden. Selbst wenn der Nutzer also ein wildes „Umherclicken“ verschmäht oder aus Angst, einen Handlungsablauf in seiner „reinen“ Form zu verpassen, ergibt sich im „Durchlaufenlassen“ ein Stream von mehreren Minuten. Dabei sollen die einzelnen Sequenzen nicht länger als 30 Sekunden sein, um dem Nutzer quälende Wartezeiten (...gähn..) zu ersparen. Auf gesprochene Dialoge wird verzichtet, stattdessen sorgen Klang- und Musik-Untermahlung für die jeweilig notwendige Atmosphäre.


Technische Produktion
ist im Mai 2001 innerhalb des Projektes „Next Generation Media“ von Prof. Dr. Jens Geelhaar an der Bauhaus-Universität-Weimar, Fakultät Medien entstanden Gedreht wurden alle Aufnahmen mit MiniDV. Nachdem die Videos den Schnitt im Avid überstanden hatten, wurde - zur Encodierung und zum Deklarieren der HotSpots - mit Media Cleaner 5 gearbeitet. Die abschließende Bearbeitung erfolgte mit Quicktime5Pro. Das den Film einleitende Panorama der vier am Tisch sitzenden Protagonisten wurde mit QuicktimeVR realisiert. Integriert wird sämtliches Streaming-Material in einer Website, in der HTML, Flash und 3D-Objekte gegenseitig unterstützend kombiniert wurden.

Bleibt letztlich kurz dem interessierten Leser zu klären, was es mit dem Namen auf sich hat :

Chimäre die; -,-n 1. Schimäre 2. (biol.) aus verschiedenartigen Zellen aufgebauter, durch Kreuzung entstandener Organismus. In der antiken Mythologie wird eine Chimäre als fabelhaft vielseitiges Sagentier beschrieben. Die französische „chimère“ ist eine illusorische Idee, ein Traum.
„La chimera“ beschreibt in der Sprache Italiens die klassische Synergie des Labyrinths innerhalb des Labyrinths – quasi die Kraft und Faszination der Kombination. Wir heben diesen Titel nur allzu gern in den Plural und verweisen damit vielleicht auch ein wenig stolz auf die Trinatio- und Lingualität unseres Projektteams.